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Surrealistischer Blick aus Küchenfenster

Wassa Rosin-Bergmann zeigt Ölbilder und Aquarelle im Rathaus
NWZ online 07.03.2016
von Marén Bettmann


Großformatig: Wassa Rosin-Bergmanns Abendmahl, das zurzeit im Wardenburger Rathaus hängt.
Bild: Marén Bettmann

Einen „surrealistischen Blick aus dem Küchenfenster“ werfen – das können alle, die bis zum 15. April das Wardenburger Rathaus an der Friedrichstraße 16 aufsuchen. Unter diesem Titel sind seit Sonntag 54 Bilder von Wassa Rosin-Bergmann im Foyer und im 1. Obergeschoss zu sehen.

Am Sonntagvormittag wurde die Werkschau der gebürtigen Russin von Wardenburgs stellvertretendem Bürgermeister Dr. Stefan Depta eröffnet. Vor fast genau einem Jahr hatte Rosin-Bergmann am selben Ort eine Gemeinschaftsausstellung mit Marlene Rudolf-Wachtendorf. Damals zeigte sie ihre Miniaturmalerei auf Holz-Ostereiern.

Von den filigran gemalten Eiern sind auch diesmal einige in Vitrinen zu sehen, aber das Hauptaugenmerk richtet sich auf die surrealistischen Bilder in Öl, Acryl und in Mischtechnik sowie ihre in Aquarell gemalten Küchen-Stillleben. Rolf Vergin von der Gemeindeverwaltung führte in das Schaffen der in Wardenburg lebenden Künstlerin und ihrer Werke ein. „Sie zeigen häufig gegensätzliche Zustände von Traum und Wirklichkeit“, sagte Vergin, der die Ausdrucksstärke der sehr präzise gemalten Motive hervorhob. So um Beispiel Adam und Eva, die als Schaufensterpuppen im Paradies stehen oder der Trauer- und der Freudenvogel, die halb als Frau und halb als Tier dargestellt sind.

Auch Menschen in intimen, träumerischen Situationen hat Wassa Rosin-Bergmann auf Leinwand gebannt, wie den Nackten, der sich die Fußnägel schneidet oder die junge Frau, die sich Mondstaub von ihrer Hand pustet.

Das größte Bild der Ausstellung ist die Darstellung des Abendmahls. „Die Liebe steht im Mittelpunkt dieses Bildes“, sagt die 49-Jährige über ihr 2,60 mal 2,20 großes Werk, genauer gesagt, die quälende Liebe zwischen Jesus und Judas. Die Idee zu diesem Bild habe sie vor 22 Jahren gehabt. „Bilder malen ist wie Kinderkriegen“, erklärte die in St. Petersburg aufgewachsene Tochter zweier Künstler. Das Kind werde gezeugt in dem Moment, in dem ihr die Idee komme. Dann gehe sie damit wochen- oder sogar jahrelang schwanger. Die Geburt des Kindes sei oft voller Qual, aber auch voller Freude und Glück, wenn es endlich da bzw. fertig sei.

Glücklich ist Wassa Rosin-Bergmann auch darüber, dass ihre Tochter Isabell die künstlerische Ader ihrer Mutter offenbar geerbt hat, denn die 17-Jährige bestückt die nächste Ausstellung ab 24. April.

Künstlerinnen vom Frühling inspiriert

NWZ online 17.04.2015

Foyer im Rathaus: Werke von Marlene Rudolf-Wachtendorf und Wassa Rosin-Bergmann


Die eine Künstlerin zeigt Natur- und Landschaftbilder, die andere Miniaturmalerei auf Ostereiern aus Holz. Die Ausstellung läuft bis 17. April.
von Astrid Kretzer


Freuten sich über die neue Ausstellung im Foyer des Wardenburger Rathaus (von links): Detlef Sonnenberg, Marlene Rudolf-Wachtendorf, Wassa Rosin-Bergmann und Rolf Vergin.
Bild: Astrid Kretzer

WARDENBURG Fröhliche Farbenpracht, teils mit leidenschaftlichem Pinselschwung auf große Leinwand aufgebracht – oder aber mit feinem Strich gezauberte Miniaturmalerei auf Holzeiern, die in ihren Motiven und eher gedeckten Tönen an die Ölbilder vergangener Jahrhunderte erinnert: Unterschiedlicher könnten die Arbeiten der Künstlerinnen, die zurzeit im Wardenburger Rathaus ausstellen, kaum sein. Was sie aber eint, ist der besondere Bezug zum Frühling.

Wassa Rosin-Bergmann (Höven) zeigte ihre „Kunstvollen Ostereier“, denen sie sich seit 1990 widmet, schon wiederholt bei Osterausstellungen. Und die farbenfrohen Acrylbilder von Marlene Rudolf-Wachtendorf (Bad Zwischenahn) lassen nach feucht-kalten Wintertagen die „Sehnsucht nach Sonne, Wärme, aufwachender Natur“ spüren, wie Rolf Vergin von der Gemeindeverwaltung am Sonntag bei der Ausstellungseröffnung im Rathausfoyer sagte.

Auch abstrakte Bilder
Für Marlene Rudolf-Wachtendorf ist es die dritte Ausstellung in Wardenburg. Mitgebracht hat sie farbenfrohe Natur- und Landschaftsbilder, für die sie ihre Motive findet, wo immer sie unterwegs ist. Mohnblumen finden sich da, ein Vogel, Muscheln, ganze Küsten- und Flusslanden – aber auch Abstraktes in expressivem Farbenspiel. Als Autodidaktin hat sich die ehemalige Bankkauffrau ihre Malerei erarbeitet – ohne sich allerdings festlegen zu lassen. „Kunst ist Freiheit“ – dies Motto ihrer Werkschau heißt für sie auch: „Meine Techniken sind abstrakt bis gegenständlich, von wild bis sanft.“ Vorrangig arbeit Rudolf-Wachtendorf dabei mit Acrylfarbe, aber auch Sand, Seide, Spachtelmasse oder Tee finden Verwendung und sorgen für Struktur. Malen ist für sie Leidenschaft und Glück, so Rolf Vergin.

Porträts und eigene Interpretationen von Kunstwerken alter Meister sind die Leidenschaft von Wassa Rosin-Bergmann – und spezialisiert hat sie sich dabei auf Miniaturmalerei. Auf den kleinformatigen, gewölbten Oberflächen von Holzeiern findet sie auch den Platz, eine ganze Bildgeschichte filigran umzusetzen – so etwa von der „Rast auf der Flucht nach Ägypten“ nach einem großformatigen Gemälde von Caravaggio aus seiner früher Schaffensperiode um 1600 oder auch von „Bonaparte, die Alpen überreitend“ nach Jacques-Louis Davids Werk von 1799 sowie einem Stillleben mit zeitgenössischen Utensilien auf der Hinterseite.

Aus russischer Moorbirke
Oft über Monate grübelt die in St. Petersburg geborene Künstlerin und ausgebildete Porzellanmalerin darüber, „wie muss es gestaltet werden“, ehe sie tatsächlich zum Pinsel greift. „Es sind keine Kopien.“ Gefertigt sind ihre bemalten Eier aus russischer Moorbirke, die vor der Bearbeitung mehrere Jahre lagern und trocknen muss, aber den Eiern ein nur geringes Gewicht beschert.

Wardenburgs stellvertretender Bürgermeister Detlef Sonnenberg freute sich bei der Ausstellungseröffnung, dass „wieder einmal eine auswärtige Künstlerin gemeinsam mit einer Künstlerin aus der Gemeinde ausstellt“. Es sei erfreulich, dass auch Künstler aus der Region die Ausstellungsmöglichkeit im Wardenburger Rathaus nutzen. Kunst solle „nicht im Atelier belassen, sondern auch unter die Menschen getragen werden“.

Zu sehen ist die Werkschau bis zum 17. April zu den Öffnungszeiten des Rathauses.

Traditionspflege mit feinem Pinselstrich

NWZ online, 19.04.2014

Wassa Rozina-Bergmann interpretiert auf Holzeiern Werke großer Meister – In Höven zu Hause

Die Künstlerin stammt aus St. Petersburg. In Russland ist es Tradition, zu Ostern aufwendig bemalte Eier zu verschenken.
Lore Timme-Hänsel



GROSSENMEER/HÖVEN Die Frau hat die Ruhe weg. Mitten im Umzug von Großenmeer (Kreis Wesermarsch) ins neue Atelier in Höven (Kreis Oldenburg) greift Wassa Rozina-Bergmann zum Pinsel und malt mit feinem Strich weiter am Bild auf dem etwa sieben Zentimeter großen Holzei. „Mehr als einen Tisch und Stuhl, Pinsel und Farbe braucht man nicht“, sagt die 47-jährige Künstlerin und lächelt. Mit ihrer Arbeit setzt sie eine alte russische Tradition fort, zu Ostern aufwendig bemalte Eier zu verschenken.

Geschenk für Nannen

Geboren und aufgewachsen ist Rozina-Bergmann in einer Künstlerfamilie in St. Petersburg. Ab ihrem zehnten Lebensjahr besucht sie die dortige Kunstakademie und erlernt den Beruf der Porzellanmalerin. In der Porzellanmanufaktur von St. Petersburg arbeitet sie am Fließband. Die Arbeit ist hart, habe aber ihre Sicherheit im Malen mit feinem Pinselstrich gefestigt, ist sie überzeugt.

1990 beschließt sie, sich als Porträtmalerin selbstständig zu machen und die Bilder an Touristen zu verkaufen. „Es waren schwierige Zeiten, um mit dem Pinsel Geld zu verdienen“, erinnert sie sich. Ihre Mutter sei aber praktisch veranlagt gewesen und habe die Idee mit den Holzeiern gehabt. Wassa Rozina-Bergmann bestellt also bei einem Drechsler zehn Eier aus gut abgelagertem Birken- und Lindenholz. Für die ersten Eier wählt sie typische russische Motive aus und stößt in eine Marktlücke. Die ersten Eier gehen sprichwörtlich weg wie warme Semmel.

Und nun kommt Bergmanns Ziehmutter Ninnon, Freundin der Familie und ebenfalls Malerin, ins Spiel. Sie hat als einzige ihrer Familie die Blockade Leningrads während des Zweiten Weltkriegs überlebt und wächst bei einer Nachbarin auf. Die schlachtet zu Ninnons elften Geburtstag eine Katze, damit das Kind wenigstens an diesem Tag etwas zu essen bekommt. Das Erlebnis wird Ninnon nie mehr los lassen. Sie malt eine Serie Kriegsbilder, die Ende der 80er Jahre das Interesse von Kunstsammlern in Deutschland weckt, unter ihnen Henri Nannen.

Der Herausgeber und Chefredakteur des „Stern“ und Gründer der Kunstschule Emden lädt Ninnon nach Deutschland ein. Sie nimmt die Einladung an, im Gepäck hat sie ein paar Porträteier von Rozina-Bergmann als Geschenk für Nannen. Die Dolmetscherin in Emden ist von den Eiern so begeistert, dass sie für die junge Künstlerin die erste Ausstellung in Deutschland organisiert, die 1994 in Köln stattfindet. „In nur zwei Tagen waren alle Eier verkauft. Es war überwältigend“, erinnert sich die Künstlerin, die seit 1997 in Deutschland lebt.



Liebe zum Detail

Zum Bemalen der Holzeier bevorzugt Wassa Rozina-Bergmann spezielle Acrylfarbe, die sie aus den Niederlanden bezieht. Ist das Bild vollendet, werden die Eier lackiert. Bis zu neun Schichten trägt sie auf. Die großen Eier sind fast ein Jahr lang im Lackierprozess. „So können die Eier auch herunterfallen, ohne Schaden zu nehmen.“

Die Holzeier sind aus russischer Moorbirke oder Linde, die im Winter geschlagen werden. Das Holz lagert mindestens fünf Jahre, bevor der Drechsler ans Werk geht. Auch Rozina-Bergmann lässt die gedrechselten Eier noch eine gewisse Zeit liegen. „Wenn die Eier nach dieser langen Zeit keine Risse haben, dann reißen sie nie“, weiß die Künstlerin aus Erfahrung.

Mit Vorliebe interpretiert sie Werke großer Meister wie Genreszenen der französischen Malerin Adelaide Labille-Guiard (1749–1803). Die dargestellte Szene entwickelt sie weiter mit viel Liebe zum Detail. Dabei faszinieren sie die menschliche Gestalt und Porträts. „Das ist Gottes Handwerk“, schwärmt sie.

Die kleinen, etwa vier Zentimeter großen Eier, bemalt Rozina-Bergmann gern mit traditionellen russischen Motiven, Landschaften und Tiermotiven, die besonders beliebt sind. Etwa 30 Euro kostet ein kleines Holzei, bis zu 600 Euro ein großes.

Rozina-Bergmann malt mit Liebe und Leidenschaft, Zeit spielt für sie dabei keine Rolle. Viel wichtiger ist für sie die innere Einstellung. „Der Maler muss sein Herz ins Bild legen. Denn ein lebendiges Bild verleiht dem Betrachter Energie“, sagt sie, während sie weiter das Holzei bemalt. Viel Zeit bis Ostern hat sie nicht mehr.